Der nachfolgende Artikel ist KEIN Fachbeitrag. Es handelt sich NICHT um theoretisches oder praktisches Wissen aus dem Online-Marketing Bereich. Viel mehr sollen die nachfolgenden Zeilen eine Art Selbstreflektion darstellen. Warum? Weil sich mein Leben zum jetzigen Zeitpunkt nur noch um meine Arbeit dreht. Das ist nichts Schlimmes. Ich liebe meinen Job und fast ALLES, was damit zu tun hat. Zum Glück habe ich aber eine Ehefrau, die mich tagtäglich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Beginnen möchte ich mit einer Szene aus meinem täglichen Leben (Vielleicht gibt es hier ja die/den ein(e)- oder andere(n), die/der ab und zu die gleiche Szene durchspielt):


Meine Frau: „Schaaaaaaaaaaaaaaatz! Kommst Du dann endlich?“

Ich: „Ich komme gleich. Ich will nur noch fix meine Mails checken und kurz was fertig machen!“


So – oder so ähnlich – läuft das Szenario hier bei mir zu Hause an 6 von 7 Tagen der Woche ab. Ohne jetzt darauf herumreiten zu wollen, mich damit zu schmücken oder gar anzugeben: Mein Arbeitstag beginnt Werktags um 8.00 Uhr und endet im Regelfall nicht vor 22.30 Uhr. An den Wochenenden versuche ich eigentlich nicht zu arbeiten, was mir in 2014 bislang genau an einem Wochenende gelungen ist (Weil ich mit Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus lag). Ich nutze JEDE Situation, um zu arbeiten. Mittlerweile hat sich mein Tagesablauf so sehr darauf eingespielt, dass sich fixe Rituale entwickelt haben, die ich keinesfalls gutheißen will. Das Erste, was ich morgens nach dem Wachwerden tue, ist meine Mails zu checken. Ich schaue, ob es in der Nacht irgendwelche Ausfälle gab, ob Kundenanfragen reingekommen sind oder ob andere relevante Ereignisse dazu führen könnten, dass ich meine Prioritäten für diesen Tag neu sortieren muss. Hierzu muss ich noch dazu sagen, dass ich nur die wirklich WIRKLICH wichtigen Mails mobil bekomme. Da laufen über die Nacht so 5 bis 25 Mails an.

 

Im Anschluss gehe ich ins Bad und putze Zähne. Dabei checke ich routinemäßig die AdSense sowie Affiliate Umsätze des vergangenen Tages. Danach ziehe ich mich an und fahre meine Frau zur Arbeit. Auf dem Rückweg checke ich an jeder Ampel die Facebook Timeline. Zu Hause angekommen wird der erste Kaffee gekocht und die Arbeit beginnt. Alle ToDos werden über den Haufen geworfen und die tägliche „Arbeit“ bleibt zu lasten eigener Projekte bis Nachmittags liegen. Wenn ich mit eigenen Sachen durch bin, beginne ich mit der Arbeit an Kundenprojekten. Zwischendurch kommen immer mal wieder Anrufe rein. Auf das Mittag wird an den meisten Tagen verzichtet. Gegen 17.30 Uhr kommt meine Frau dann von der Arbeit. Ab und zu widme ich ihr 30 Minuten Zeit fürs Abendessen (welches ich zuvor zubereitet habe). Gegen 18.00 Uhr begebe ich mich dann noch mal kurz ins Büro und arbeite alle noch zu erledigenden Tasks ab. Das dauert im Regelfall bis 21.00 Uhr. Doch hier ist der Tag noch nicht beendet. Wenn ich mich nicht gerade zum Sport quäle, leiste ich meiner Frau im Wohnzimmer Gesellschaft – natürlich mit dem Mac auf dem Schoß. Während Frauzi nun also versucht ein Gespräch anzufangen um mir von ihrem Tag zu erzählen, arbeite ich weiter an eigenen Projekten. Projektierungen, Linkaufbau oder Recherche – was eben so anfällt. Gegen 22.00 Uhr wird der Mac dann endgültig zur Seite gelegt, um noch etwas Zeit mit der Familie zu haben. Leider ist damit gegen 22.30 Uhr meist schon Schluss, da meine Frau meint, den Tag schon so zeitig beenden zu müssen. Wir machen uns bettfertig und während ich am iPad noch letzte ToDos abarbeite (Mails, Forenarbeit usw.) schläft meine Frau genervt aber dennoch verständnisvoll neben mir ein.

Auch im Urlaub kein anderes Bild

Wer viel arbeitet, der soll sich auch ab und zu mal ausruhen. Aus diesem Grund fahren wir 2 bis 3 mal pro Jahr in den Urlaub. Auch hier gibt es für mich keine Abstriche. Die Basis der Entspannung ist immer: Hochgeschwindigkeits-WLAN im Hotel, am Pool und am hoteleigenen Strand. Wenn diese Kriterien nicht erfüllt sind, dann kommt dieses Hotel für einen Urlaub nicht in Frage. So weit ist es also schon gekommen. Hierbei ist es essentiell, dass man als Aussenstehender versteht, dass die tägliche Arbeit für einen Marketer kein Krampf ist und das – wenn man alles richtig macht – bei mehr Arbeit auch mehr reinkommt. Es ist für mich ein unglaublich gutes Gefühl der Bestätigung, wenn ich in einem 14 Tage Strandurlaub den kompletten Urlaub mehr als refinanziert habe. Wir machen unsere Sache gerne und vor allem mit viel Herzblut. Wir haben uns bewusst für diesen „Way of Life“ entschieden. Wir lieben Technik! Wir lieben das Internet! Wir sind stolz darauf, als Nerds betitelt zu werden! Doch genau hier liegt die Crux an dieser Tatsache: Wir lieben unsere Arbeit vielleicht teilweise etwas zu sehr. Wenn man sich einfach mal anschaut, wer von seinen Facebook Freunden am längsten online ist und wann die spätesten Posts des Vortages abgesetzt wurden, fällt häufig auf, es handelt sich um die Onliner. Wie können wir diesem „Problem“ also begegnen?

 

Ich für meinen Teil habe versucht, mir professionelle Hilfe zu holen – sogenannte Work-Life-Balance Beratung. Hier besteht das Problem aber darin, dass man (bei mir) sehr schlecht zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden kann. Für die einen ist es Freizeit und Entspannung, wenn sie mit einem guten Buch auf dem Balkon sitzen können, dazu ein Glas Wein. Für mich ist es entspannend, wenn ich mir neue Strategien zur Verbreitung von grandiosen Inhalten zurecht spinne. Oder die Recherche einer neuen Nische inklusive aller Chancen sowie Low-Hanging-Fruits. Das Entwickeln neuer Geschäftsmodelle sowie das Verfassen einer Roadmap zur Umsetzung dieser Idee. All das macht mir Spaß und bringt mich runter. Wie also unterscheidet man zwischen Arbeit und Freizeit, wenn die Arbeit = Freizeit?

 

Hierfür habe ich mir einen Experten organisiert – Diplom Pädagoge Sebastian Lieb. Sebastian ist streng genommen Unternehmensberater. Jedoch unterscheidet er sich gravierend von traditionellen Unternehmensebratern. Sein Ansatz – und somit der Ansatz seines Unternehmens – ist ein komplett anderer. Sebastian hat sich mehr auf die Bereiche „Kommunikation, Führung sowie Work-Life-Balance“ spezialisiert und geht damit – in meinen Augen – den richtigen Schritt. Die Optimierung betriebswirtschaftlicher KPI’s ist das Ziel – doch welche Stellschrauben müssen bewegt werden? Sales? Purchase? Die Supply Chain? Oder versuchen wir da anzusetzen, wo wir den meisten ROI generieren können – beim Personal!

 

Nachfolgend konnte ich Sebastian dazu bewegen, sich zu diesem Thema zu äußern – und was dabei rausgekommen ist, finde ich extrem interessant:

 

Arbeitest Du noch oder lebst Du schon?

Hey! Ich lebe doch nicht um zu arbeiten, ich arbeite um mir mein Leben zu finanzieren. Sätze, die man vielerorts hört. Mir krämpelt sich dabei der Margen um. Ich denke dann, diese armen Menschen, die Ihre Arbeit scheinbar so hassen, dass sie sich alternativen im Freizeitleben suchen, um ihren Frust zu kompensieren. Und sie schämen sich nichtmal dafür.

 

Ich gehöre der Generation Y an. Wir, als diese Generation sind technikaffin, weil wir mit ihr aufgewachsen sind. Wir haben eine fundierte Ausbildung und haben ein Überangebot an Freizeitentertainment zur Verfügung, dass uns fast überfordert wenn wir nicht aufpassen. Vor allem aber, und das ist in diesem Zusammenhang wirklich das Wichtigste, haben wir hohe Anforderungen an unser Erwerbsleben.

 

Es soll uns herausfordern und uns eine immer währende Befriedigung verschaffen. Wir bestätigen uns über unseren Job. Das Einkommen und die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist uns nicht so wichtig (zumindest behaupten das einige Soziologen). Deshalb ist die Begründung für die geleisteten Überstunden häufig die:

 

„Ich hatte da ein total spannendes Projekt, das ASAP fertig werden musste, da habe ich die Zeit total aus den Augen verloren“.

 

Leider passiert so etwas häufig, weshalb die Mitgliedschaften in Sportvereinen und die Anzahl von Eckkneipen in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sind. Unsere Generation verbringt den größten Teil der wachen Zeit mit Arbeit. Wie schaffen wir also den Spagat zwischen dem Freizeitmenschen und dem Arbeitstier? Ganz einfach und leider auch unheimlich schwer. Wir müssen uns Regeln aufstellen und fest an verabredete Zeiten halten. Am besten über eine Gemeinsame und freiwillige „Selbstkontrolle“. Schreiben Sie Ihre Idealvorstellungen (Wie lange arbeite ich, wie viel Zeit für Ballett, Volleyball und Fernsehen) in ein Projektbuch. Kontrollieren sie täglich und gerne in einer Team- oder Familiensitzung wöchentlich wie gut Ihnen die Einhaltung gelungen ist. Korrigieren Sie ständig und schreiben Sie Ihre Erfolge und Misserfolge in das Buch. Sie werden sehen, dass Sie besser werden – und sich zwischen den beiden Extremen einpendeln.

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